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Eunuchen
15.10.2006 von Wikipedia

Eunuchen

Selten hat mir beim Verfassen der Artikel derartig das "Gemächt" geschmerzt wie hierbei. Das lag wohl nicht sonderlich am unbequemen Stuhl, sondern vielmehr an einer zu fantasiereichen Vorstellungskraft. Mögen Sie, lieber Leser, jetzt weich sitzen.

Das Wort „Eunuch“ ist aus dem Griechischen abgeleitet und bedeutet „Bett hüten“ oder „Bett bewachen“ und beschreibt schlicht beschrieben einen kastrierten Mann. Das Phänomen kam zu fast allen Zeiten der Weltgeschichte in vielen Kulturen vor. Teilweise wird oder wurde Eunuchen auch der Penis entfernt.

Folgen der Kastration

Man unterscheidet zwischen der Früh-und Spätkastration. In der Frühkastration wird vor oder während der Pubertät kastriert, wo sie am folgenschwersten ist. In der Spätkastration zwischen dem 20sten und 25sten Lebensjahr bleiben weitere Folgen die in der Pubertät stattgefundenen Veränderungen wie Stimme, Knochenform, Bartwuchs und Genitalien weitestgehend aus.

Soziale Stellung

Die Entmannung als schwere, höchst entehrende Strafe hatte durchaus einen anderen zweiten Aspekt: In einem Eunuchen sahen Herrscher vergangener Kulturen ihren geeigneten „zweiten Mann“. Er konnte zu hohen Ehren und großem Ansehen gelangen, da er nicht als „biologischer“ Konkurrent in Betracht kam – weder für den Bereich der eigenen Frau(en), noch durch eigene Nachkommen, deren Bestand gegen Rivalen zu sichern war.

Als Wächter im Harem beziehungsweise „Schützer des ehelichen Bettes“ eines Potentaten hat so der Eunuch seinen Namen gefunden.

In der Antike standen Eunuchen im politischen und gesellschaftlichen Bereich im Rang von Ministern, Römerinnen ließen Sklaven in der Pubertät kastrieren, um sie als sterile Liebhaber zu gebrauchen, in Byzanz waren sie hohe Offiziere, in China waren sie als Palasteunuchen geschätzt, oder kamen – wie der chinesische Admiral Zheng He – in hohe politische und militärische Ämter. Im Barock verehrte man den Kastraten wegen seiner Gesangsstimme, die man als überirdisch schön empfand.

Viele Mythen und Halbwahrheiten ranken sich um dieses Thema. Einerseits sagte man Eunuchen oft heimtückisches Verhalten und Intriganz nach, andererseits galten sie als loyal, treu und aufrichtig, aber auch entbehrlich. Aus diesen Gründen umgaben sich manche Herrscher mit Eunuchen und betrauten sie mit politischen und militärischen Aufgaben.

Palasteunuchen

Ein Palasteunuch war in früheren Kulturen (besonders in Byzanz und im Kaiserreich China) ein kastrierter Mann, der im Palast des Herrschers beschäftigt war bzw. der zum Hofstaat gehörte. An vielen Höfen waren Palasteunuchen begehrt und geschätzt, denn viele Knaben überlebten die Kastration nicht und starben als Eunuchen-Neulinge.

Sowohl in den Haushaltungen der Prinzen als auch in der Verbotenen Stadt selbst lebten und arbeiteten Palasteunuchen. Sie gehörten zum Haushalt und verrichteten die verschiedensten Tätigkeiten, beispielsweise als Minister, Berater, Haremswächter, Badediener, Sänftenträger, Boten, Herolde oder Hausdiener. Nach Sonnenuntergang durfte in der Verbotenen Stadt kein "richtiger" Mann, sondern nur noch Frauen anwesend sein, beispielsweise Hofdamen, Zofen und Konkubinen - und Eunuchen.
In strengen Hierarchien standen die Generaleunuchen zuoberst. Neben kaiserlichen Zuwendungen hatten die Generaleunuchen eine Vielzahl von Einkünften, auch durch Betrügereien. Manche Generaleunuchen führten ein Leben wie Adlige.

Durchführung der Kastration im alten China

Im Kaiserreich China gab es für die Kastration eigene Eunuchenhäuser, wohin zum Beispiel Knaben von ihren Eltern verkauft wurden. Die Prozedur selbst wurde von dafür ausgebildeten Kastrateuren ohne Betäubung wie folgt durchgeführt:

Der Kastrateur, ebenfalls ein Eunuch, ließ den Jungen sich auf einen Stuhl mit schräger Rückenlehne setzen. Um den Blutverlust zu verringern, wurde der Unterleib des Jungen mit Stricken stramm abgebunden. Nun wusch der Operateur mit gepfeffertem Wasser dreimal die Genitalien des Jungen. Dann nahm er ein scharfes Messer und trennte mit einem einzigen Schnitt seiner rasiermesserscharfen Klinge die Hoden und den Penis ab. Danach verband er die Wunde mit Packpapier. Nun musste das Opfer stundenlang auf und ab laufen und bekam drei Tage lang kein Wasser. Nach Ablauf dieser Zeit der entsetzlichen Qualen kam der Augenblick, der über Leben und Tod entschied: Konnte der Junge urinieren, war er über den Berg. Konnte er es nicht, war der Urintrakt entzündet und das bedeutete den Tod.

Bekannte Eunuchen


Zhao Gao (3. Jh. v. Chr.), chinesischer Obereunuch
Philetairos (3. Jh. v. Chr.), erster Herrscher von Pergamon
Potheinos (1. Jh. v. Chr.), ägyptischer Staatsmann
Cai Lun (50-121), chinesischer Minister
Narses (490-574), römischer General
Al-Munis (908-933), abbasidischer General
Johannes Orphanotrophos (11. Jh.), byzantinischer Minister
Zheng He (1371-1433), chinesischer Admiral und bedeutender Seefahrer

Quelle: Wikipedia
sowie „Pu Yi - Ich war Kaiser von China“
Durchführung der Kastration: http://www.blubie.de - Mein wunderbares China

weitere Informationen über Kastration finden Sie hier.


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