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Reiseberichte: Eine Reise mit Hindernisse ins ewige Eis
20.01.2007 von Gastautor für Polarworld: Wolfgang Geiss, Zellertal

Reiseberichte



Eine Reise mit Hindernissen ins ewige Eis

Ein Reisebericht von Wolfgang Geiss, Zellertal (Nordwestpassage 2006)

NORDWESTPASSAGE 2006 WOLFGANG GEISS
Sonnenuntergang Baffin Bay (Foto: Wolfgang Geiss)

Wenn ich so über mein Leben nachdenke spielen Frauen und Inseln eine große Rolle.
Wobei ich die einen gerne besteige und die anderen meistens nur fotografiere.
Es begann so richtig mit einem Zelt Trekking in Spitzbergen.
So ging es weiter mit der größten Insel der Welt, Grönland, auch per Pedes und Zelt.
Da waren die Frauen eher rar.

Aber in Neuseeland gab es schon mehr zu Sehen. Dann folgten Nova Scotia und Neufundland.
Weiter ging es mit zwei Halbinseln, Baja California und Kamtchatka mit den heißen Vulkanen.
In letzter Zeit wurde es dann komfortabler - nämlich mit den Eisbrechern wieder nach Spitzbergen und Franz Josef Land.

NORDWESTPASSAGE 2006 WOLFGANG GEISS
Faszination Eis – die ersten Vorboten (Foto: Wolfgang Geiss)

Aber dieses Jahr stand etwas Besonderes auf dem Programm:
Eine Expeditionsreise mit einem russischen Eisbrecher durch die legendäre Nordwestpassage.
Juli 2006: Von Frankfurt fliege ich über Denver nach Anchorage. Da ist erstmal eine Hotelübernachtung dran. Sven aus Hamburg mit seinem Vater ist auch mit von der Partie.
In Anchorage sind unsere Koffer nicht angekommen.

Verdammter Mist, wir wollen in die Arktis – und Sven hat nur Sandalen an - für die Arktis?!
Ich bin total verschwitzt und habe auch keine Ersatzwäsche, natürlich ist alles im Koffer.

Wir machen ordentlich Rabatz, aber die Koffer sind trotzdem nicht da. Aber man bemüht sich.
Mit der nächsten Maschine sollen die Gepäckstücke aus Denver kommen. Ja super, dann sind wir aber schon in Nome. In Nome angekommen warten wir immer noch auf die Koffer.
Es ist zum verzweifeln. Wie sollen wir im Eismeer zurecht kommen ohne warme Kleidung??

Dann die nächste Katastrophe - die Fluggesellschaft, die uns über das Beringmeer fliegen sollte, hat den Betrieb eingestellt. Es muss eine Lösung gefunden werden. Am Nachmittag gibt es ein HURRA - Die Koffer sind da! Halleluja! Und es findet sich eine Fluggesellschaft, die kurzfristig einspringt – die "BERINGAIR" – wunderbar!

NORDWESTPASSAGE 2006 WOLFGANG GEISS
Auf dem Weg durch die Nordwestpassage wird das Eis dichter und dicker
(Foto: Wolfgang Geiss)

Abends sind wir dann mit kleinen Maschinen und noch mehr Mitreisende zusammen gekommen und bis nach Providenyia in Sibirien geflogen. Der erste Eindruck von Russland waren leere Wohnblocks, ohne Glas in den Fenstern, eine richtige Geisterstadt. Aber es gab dann nach 5 km mit einem "Wrack auf Rädern" doch noch eine bewohnte Siedlung, sogar mit Museum. Am Abend konnten wir dann endlich auf "unser" Schiff.

NORDWESTPASSAGE 2006 WOLFGANG GEISS
Inuitkind in Yanraktinut, Sibirien (Foto: Wolfgang Geiss)

Einer der stärksten Eisbrecher der Welt. Wir fühlten uns geborgen. Das Eis kann kommen!! Jetzt soll die Reise laufen wie geplant. Wir besuchen zwei Inuitsiedlungen und dann geht es weiter durch die Beringstrasse noch Norden.

NORDWESTPASSAGE 2006 WOLFGANG GEISS
Stolze sibirische Inuits begrüßten uns herzlich (Foto: Wolfgang Geiss)

Weiter oberhalb von Alaska ging es Richtung Kanada. Es geht eigentlich zu glatt dahin – plötzlich keine Schwierigkeiten mehr?? Weit gefehlt. Auf der Höhe von Point Barrow vierzig Meilen nördlicher kommen wir dichtes Eis.

NORDWESTPASSAGE 2006 WOLFGANG GEISS
Wir sitzen fest! (Foto Wolfgang Geiss)

Ja, kein Problem, wir sind auf einem starken Eisbrecher - was soll uns da passieren?
Das Eis wird immer dicker und dicker und dicker und der "Eisbrecher" bleibt im dichten bis zu sechs Meter dicken Packeis stecken!

NORDWESTPASSAGE 2006 WOLFGANG GEISS
Die Eisbären kommen! (Foto Wolfgang Geiss)

NORDWESTPASSAGE 2006 WOLFGANG GEISS
Ein Eisbär an dem aufgebrochenen Packeis auf der Suche nach
Robben (Foto Wolfgang Geiss)

Es dauert bis wir das endlich richtig begreifen, wir stecken fest, es geht nichts – niento – nada - nix. Ich schreibe meiner Frau eine Email:
"Hallo Liebling - wir kommen sehr wahrscheinlich aus dem Eis vor dem nächsten Frühjahr nicht mehr frei, aber sei beruhigt es gibt an Bord genügend Frauen, die Dich vertreten können.
Sei deshalb nicht besorgt, mir geht es hier gut, wir werden überwintern".

NORDWESTPASSAGE 2006 WOLFGANG GEISS
Dichtes Eis (Foto Wolfgang Geiss)

Bedenklich wurde es, als die ersten Besatzungsmitglieder dann wirklich Weihnachtslieder gepfiffen haben. Ich habe dann schon mal mit den weiblichen Reisenden einige Strophen eingeübt. So vergingen sieben Tage und sieben Nächte dahin. Aber am achten Tage kamen wir dann doch aus dem Packeis frei.

NORDWESTPASSAGE 2006 WOLFGANG GEISS
Das Packeis bricht auf (Foto Wolfgang Geiss)

Wir setzten die Reise zu den nördlichsten Inseln von Kanada fort. Wir folgten weiter der Route, die Amundsen zuerst befahren hatte. Nachdem "Baffin Island" umfahren wurde, flogen wir von Resolute im Distrikt "Nunavut" ohne Probleme dann doch noch nach Hause – vor weihnachten!

NORDWESTPASSAGE 2006 WOLFGANG GEISS
Eisfrei! Es geht heimwärts (Foto Wolfgang Geiss)

Quellenangabe:


Text und Fotos - Gastautor für Polarworld: Wolfgang Geiss, Zellertal, 2006


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