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Zoologie - Kleinstlebewesen: Bärtierchen
01.05.2007 von Sven Vöge, Polarworld

Bärtierchen (Tardigrada)

Bärtierchen leben auch bei uns. Sie leben weltweit im Meer, im Süßwasser oder in feuchten Lebensräumen an Land. Auch bei uns bevorzugen sie wie in der Antarktischen Halbinsel feuchte Mooskissen, wo der Wassertropfen das Zuhause ist. Somit sind Bärtierchen in den Tiefen des Pazifiks ebenso anzutreffen wie in der Antarktis und den Höhen des Himalayas oder in den Pflasterritzen der Großstadt oder unserem Garten.

BÄRTIERCHEN
Text: ein erwachsenes Bärtierchen unter SEM-Mikroskop
Foto: Lukasz Michalczyk, a courtesy of Tardigrada Newsletter

weitere Fotos folgen – Text in Überarbeitung!

Sie sind sonderbar und winzigklein und sie bewegen sich tapsig fort. Aber Bärtierchen sind hoch entwickelte vielzellige Lebewesen. Sie sind so klein, dass die Menschen sie erst lange nach der Erfindung der Mikroskope am Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt haben. Pastor Goeze aus Quedlinburg entdeckte 1773 diese kleinen Lebewesen und schrieb: "Seltsam ist dieses Thierchen, weil der ganze Bau seines Körpers ausserordentlich und seltsam ist, und weil es in seiner äusserlichen Gestalt, dem ersten Anblicke nach, die größte Aehnlichkeit mit einem Bäre im Kleinen hat. Dies hat mich auch bewogen, ihm den Namen des kleinen Wasserbärs zu geben."

Heute unterscheiden wir 750 Arten von teilweise unterschiedlichem Aussehen. Bärtierchen haben z.B. acht klauentragende Stummelbeine, Muskeln, Augen, Magen, Darmschläuche, Mund und Nerven, wohlgemerkt alles tausendmal kleiner als bei uns Menschen. Außerdem häuten sie sich und sind verwandt mit Garnelen und Spinnen. Bärtierchen können sich sowohl vom Inhalt von Pflanzenzellen ernähren als auch räuberisch von kleinen Tieren wie Fadenwürmern oder Rädertierchen leben, die sie dazu anstechen und aussaugen.
Genau wie bei den Menschen zeigen auch die Bärtierchen Anzeichen von Jugend und Senilität. Aber bemerkenswert ist die Eigenschaft, einzutrocknen („Tönnchen“) und nach Zugabe von etwas Wasser wieder zum Leben zu erwecken (Kryptobiose), ein todesähnlicher Zustand, in dem sie extreme Umweltbedingungen überdauern können - und wenn die Weibchen kein Männchen finden, pflanzen sie sich ohne Beteiligung von Männchen selber fort (parthenogenetisch). Im Weibchen reifen dann unbefruchtete Eier heran, aus denen auch nur ausschließlich Weibchen entstehen.

Schon gewusst?

Vor lauter Verzweiflung konnten die Zoologen die Bärtierchen taxonomisch nicht einordnen und haben ihnen einen eigenen biologischen Stamm zugeordnet!

Bildernachweise

Bärtierchen (e.g. Echiniscus madonnae Michalczyk & Kaczmarek, 2006) –
photomicrographs with Scanning Electron Microscope (SEM), copyright by Lukasz Michalczyk as a Courtesy of Tardigrada Newsletter - http://www.tardigrada.net

Achtung: Der Eigentümer der Fotos verbietet ausdrücklich den unerlaubten Gebrauch seiner Fotos aus unserer Webseite heraus!


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