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Entdecker: Thomas (Tom) Crean, 1877 - 1938 (Irland)
20.06.2008 von polarworld

Thomas (Tom) Crean


Entdecker – Antarktis
Geboren – 20. Juli 1877 in Anascaul, Giurtuchrane im County Kerry, Irland
Gestorben – 27. Juli 1938 in Ballinacourty im County Cork, Irland.
Herkunft - Irland
Beruf – Polarforscher
Erfolge – Mitglied von Scotts Discovery-Expedition (1901-1904) und Terra Nova-Expedition (1910-1913) sowie der Endurance-Expedition unter Ernest Shackleton

Sein Leben und seine Expeditionen

Thomas (Tom) Crean wird am 20. Juli 1877 in Irland geboren und begleitet die größten britischen Antarktisexpeditionen im heroischen Zeitalter. Crean gilt als sehr einfacher Mann, ohne große Bildung, aber körperlich und mental sehr stark und robust. Er ist stets eine große Stütze der Expedition.

Aufgewachsen auf einer Farm, geht Crean in eine katholische Jungen-Schule, bis er 12 ist. Danach muss er auf der elterlichen Farm aushelfen und packt täglich hart an. Unter falscher Altersangabe meldet er sich mit 15 Jahren freiwillig zur Royal Navy und arbeitet sich auf den einfachen Dienstgraden durch harte Arbeit hoch.

Ausbildung auf der HMS Impregnable und HMS Devastation, Beförderung zum Leichtmatrosen (Ordinary Seaman) zum 18. Geburtstag auf der HMS Royal Arthur, in weniger als einem Jahr zum Vollmatrosen (Able Seaman) auf der HMS Wild Swan und dem Navy Torpedo-Schulschiff HMS Defiance, 1899 zum Obermaat (Petty Officer Second Class) auf der HMS Vivid und schließlich auf dem Torpedoboot HMS Ringarooma (1900).

Zwischenzeitlich ist Crean wegen eines unbekannten Fehlverhaltens kurzzeitig degradiert, jedoch wird er schnell wieder in seinen ursprünglichen Rang zurückgeholt. Auf der HMS Ringarooma wird sich sein Leben für alle Zeit ändern, denn vor Neuseeland liegend, begleitet das Schiff die RRS Discovery unter Führung von Robert Falcon Scott auf dem Weg zum nächsten Rekordversuch (National Antarctic Expedition). So will es das Schicksal, dass in Lyttleton Harbour aus Scotts Gruppe ein Bootsmaat ausfällt. Crean nutzt die Gelegenheit und heuert an. Das ist der Startschuss zu einer der außergewöhnlichsten Karrieren in der Polargeschichte. Crean ist beteiligt an drei der vier größten und herausragenden britischen Antarktisexpeditionen

Ein typischer Ire, ein rauer Arbeiter mit Witz und Sinn für Humor, selten aus der Ruhe bringend, ist Crean bei den Männern beliebt und zeigt sich in der Kälte und beim Umgang mit Schlitten auch noch als sehr begabt. In drei aufeinander folgenden Schlittenfahrten und 12 Gefährten unter Leutnant Michael Barne gelingt ein Rekordvorstoß nach Süden. Die alte Bestmarke von Carsten Borchgrevink von 1900 bei 78° 50' Süd fällt: 82° 17' Süd.

So verwundert es nicht, dass Scott anschließend Crean zur Terra Nova-Expedition beruft – dem finalen Angriff auf das Erreichen des Südpols. Durch das unerwartete Auftreten von Roald Amundsen entsteht ein dramatischer Wettlauf zum Pol. Crean gehört nicht zu den Polbezwingern unter Scotts Männern. Scott schickt ihn 150 Meilen vor dem Ziel mit William Lashly und Edward „Teddy“ Evans zum Basislager zurück. Während Scott und alle seine Männer auf dem Rückmarsch alle ums Leben kommen, überleben dank des unbändigen Kampfgeistes und Willenstärke von Crean die drei den Kräfte raubenden Marsch von 750 mühseligen Meilen (1.200 Kilometer). Dabei muss Crean auch noch die letzten 35 Meilen (56 Kilometer) alleine zurücklegen, um Hilfe zu holen. Der schwer an Skorbut erkrankte Evans schaffte keinen Schritt mehr und besteht darauf, dass die beiden ohne ihn weiterziehen. Crean und Lashly lehnen ab. Lashly bleibt bei ihm und passt auf, während Crean sich alleine durch die Eishölle auf dem Ross Eisschelf durchschlägt und mit rettender Hilfe zurückkommt. Alle drei überleben.

Anschließend gehört Crean auch zur Hilfsexpedition, die Scott und seine Männer erfroren in ihren Zelten auffindet. Zurück in der Heimat, erhalten Crean und Lashly die begehrte Auszeichnung für Lebensrettung von Seeleuten (Albert Medal for Lifesaving).

Während der legendären Endurance-Expedition ist Crean hinter Shackleton zweiter Offizier und neben Frank Wild und Frank Worsley die große Stütze auf der schier endlos erscheinenden Odyssee durchs Ewige Eis. Nachdem die Endurance vom Eis zerdrückt wird und sinkt, gehört er neben Shackleton und auch zur Dreiergruppe, die mit dem Rettungsboot James Caird die Drakepassage in unglaublichen 800 Meilen (1.280 Kilometer) von Elephant Island nach Südgeorgien gegen Sturm und Strömung durchquert, um Hilfe für die gestrandeten Kameraden zu holen und dabei auch die erste Landdurchquerung von Südgeorgien schafft – und das alles in einem umimprovisierten Ruderboot.

Crean kehrt zur Navy zurück bis 1920. Shackleton wünscht sich Crean ein Jahr später auch für sein nächstes Abenteuer, die Quest-Expedition. Aber er verzichtet auf ein weiteres weißes Abenteuer und lässt sich in seiner Heimat im grünen Irland nieder. Es soll Shackletons letzte Fahrt werden. Er stirbt auf Südgeorgien.

Währenddessen betreibt Crean in Irland einen zünftigen Pub mit dem Namen „The South Pole Inn“, der heute noch existiert. Crean lebt dort ruhig und unaufdringlich bis zu seinem Tod. Er hat nie mit seinen Erlebnissen geprahlt und nie ein Interview gegeben. Crean stirbt 1938 an einem Blinddarmdurchbruch.

Sowohl Shackleton als auch Crean – beide sollten nie den Pol erreichen, aber was für große Männer in einer großen Zeit.

Webempfehlungen:

- Die Tom Crean Society – in Englisch
- Guinness Werbung zu Ehren von Crean und seinem South Pole Inn


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