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Vergleiche zwischen Scott und Amundsen
07.11.2009 von Sven Vöge und Peter Pulkrabek

Vergleiche zwischen Scott und Amundsen



Allgemeines



Geburt
Robert Falcon Scott ist Engländer, geboren am 06. Juni 1868 in Devonport.
Roald Amundsen ist Norweger, geboren am 16. Juli 1872 in Fredrikstad.

Charakter
Scott ist ehrgeizig, bissig, militärisch streng gedrillt, pflichtbewusst, aber farblos und ohne Führungsqualitäten, überhaupt nicht kritikfähig. Er liebt niemanden und ist süchtig nach Ruhm und Ehre. Scott fühlt sich als etwas Besseres, ist sogar überheblich.
Amundsen ist sachlich, nordisch kühl, wortkarg und bescheiden – ein ruhiger Einzelgänger, aber auch innerlich rastlos, ruhelos und einsam. Amundsen ist ein Abenteurer, ein Visionär mit scharfem Verstand. Er weiß, wie man mit Menschen umzugehen hat, egal ob in einer Gruppe oder unter extremen Aufgaben.

Körper
Scott ist klein, aber bestens durchtrainiert, muskulös und kräftig.
Amundsen ist groß, zäh, schlank – fast hager - und schlaksig.

Elternhaus
Beide kommen aus bescheidenen elterlichen Verhältnissen.
Scott wächst unter vielen Geschwistern ärmlich auf. Sein Vater ist Brauereibesitzer.
Amundsen ist das fünfte Kind einer – dabei fast schon respektablen – Schifferfamilie.
Sein Vater stirbt recht früh, was ihn wenig betrübt – er ist beruflich viel unterwegs und hat sich wenig um die Kinder gekümmert. Die häusliche Last trägt die Mutter.

Kindheit
Scott hat in den ersten jungen Jahren nicht viel zu lachen oder zum Spielen.
Amundsen liest viele Polargeschichten und Berichte. Besonders fasziniert ihn die tragische Franklin-Expedition beim Versuch, die Nordwestpassage zu finden. Die Polarwelten begeistern ihn. Er träumt viel.

Schule
Scott besucht die Stubbington House School nur als Vorbereitung auf eine Offizierslaufbahn. Mit 13 Jahren folgt er der Marinetradition der Familie und ist in der Royal Navy bereits Kadett.
Amundsen möchte Polarforscher werden und vernachlässigt massiv die Schule, schafft gerade so das Abitur. Es gibt in Norwegen keinen Gletscher, wo er keine Spuren hinterlassen hat.

Ausbildung
Scott schließt theoretische Prüfungen fast als Bester ab, wird schnell Oberleutnant der Royal Navy, aber seine praktischen Fähigkeiten und Führungsqualitäten sind eher lausig.
Amundsen besucht auf Wunsch seiner Mutter die Universität (u.a. in Zoologie, Medizin, Philosophie, Französisch und Deutsch). Als auch sie stirbt, beendet er sofort erleichtert das Studium und widmet sich ausnahmslos seinem Traum (vom Nordpol).

Berufserfahrung
Scott dient auf zahlreichen Kriegsschiffen, ist eher gelangweilt in reizarmen Friedenszeiten und heuert auf einem Torpedoschulschiff an.
Er ist unzuverlässig. Hat er ein Kommando über ein Schiff, hat er es stets fast versenkt und seine Vorgesetzten wussten selten, wo er mit dem Schiff überhaupt war. Bald erkennt er seine Karrieregrenzen und findet ein neues Terrain, um sich zu profilieren und Ruhm zu ernten: Polargebiete.
Amundsen heuert als Matrose an, bereist ebenso die Meere und erlangt sein Steuermannspatent. Nach Wehrdienst und einer Fahrradtour durch Westeuropa lehrt ihn Georg von Neumayer in Hamburg intensiv in Navigation.

Polarexpeditionen - Texte in Arbeit
Scott
Discovery-Expedition 1901 - 1904 – mit dem Schiff Discovery
Terra Nova-Expedition 1910 - 1912 – mit dem Schiff Terra Nova

Amundsen
Die Belgica-Expedition 1896 - 1899 – mit dem Schiff Belgica
Nordwestpassage 1903 - 1906 - mit dem Schiff Gjøa
Der Südpol 1911 - 1912 - mit dem Schiff Fram
Nordostpassage 1918 - 1920 - mit dem Schiff Maud
Nordpolflüge 1925 - 1928

Wettlauf zum Südpol



Projektmittel
Scott ist durch Regierungsgelder, Sponsoren, Mäzenen und Krediten finanziell sehr viel besser ausgestattet als Amundsen.

Geld – persönliche Einstellung
Scott ist pragmatisch, sammelt reichlich Geld für seine Expeditionen, nimmt sogar großzügige Sponsoren mit, ist aber selber immer pleite.
Amundsen hat überhaupt keine Beziehung zum Geld – er hat nie welches, nur Schulden.

Politik
Scott
Amundsen

England und Norwegen
England ist nach dem Krieg gegen Napoléon Bonaparte in wirtschaftlicher Blüte, die vielleicht fortschrittlichste Industrienation der Welt in der machtpolitischen Hochphase eines beachtlich ausgedehnten Kolonialreiches.
Norwegen trennt sich in einer überwältigenden Volksabstimmung von der Union mit Schweden und wird selbständig - England ist der treue Verbündete!

Eiserfahrung
Scott hat bis zu seiner ersten Polarexpedition 1901 kein polares Eis gesehen.
Amundsen hat das Eis praktisch vor seiner Haustür. Er sucht als Jugendlicher stets nach seinen Grenzen in der Kälte und im Schnee, schwänzt dafür auch die Schule und harrt tagelang in der winterlichen Wildnis aus, testet sich und lernt, mit schlechten Bedingungen wie Kälteeinbruch und Stürme klar zu kommen.
Als Erwachsener lebt er einige Zeit bei den Natsilik-Eskimos in der kanadischen Arktis.

Vorbereitung
Scott kaum etwas vor. Es gibt nichts, was die Royal Navy nicht kann, improvisiert, ignoriert die Erfahrungen anderer.
Amundsen plant bis ins kleinste Detail.

Schlittenhunde und Pferde
Scott hält nicht viel von Schlittenhunde. Er schickt einen seiner Leute nach Sibirien. Nebenbei soll er auch gleich Ponys mitbringen. Unerfahren lassen sie sich durchschnittliche Hunde und schwächste Klepper andrehen.
Der Sibirische Husky ist klein und kann verhältnismäßig schnell sein, aber leider nicht die gekauften Tiere. Außerdem kann niemand mit ihnen umgehen. Auch die Sibirischen Ponys erweisen sich frühzeitig als total unbrauchbar. Die Viecher sind eh nur im Weg – schließlich vertraut man eigentlich sowieso nur Motorschlitten, Technik, Empire und der Navy.
Amundsen hat Erfahrung mit Schlittenhunde und schätzt sie sehr. Die Hunde spielen eine große Rolle zum Ziehen der Last und als Fleischreserve. Er reist nach Grönland, spricht mit Experten, Hundezüchter, Eskimos, Regierungsleuten und kauft die besten 100 Schlittenhunde des Landes. Nebenbei verhandelt er geschickt und verhindert einen möglichen Verkauf anderer Tiere an Scott.
Der Grönlandhund ist der kräftigste und mit Abstand ausdauernde Schlittenhund überhaupt. Nach der langen Überfahrt werden die Schlittenhunde behutsam wieder eintrainiert.
Nebenbei halten sie die Mannschaft beisammen. Die süßen Neugeborenen werden liebevoll gepflegt und alle kümmern sich gemeinsam um das Wohl der Hunde. Das lenkt von dem langen, dunklen und bitterkalten antarktischen Winter und der Einöde ab.
Auf Pferde verzichtet Amundsen ganz, ebenso auf Motorschlitten. Hunde fressen Robben und zur Not auch Hunde – alles auch gefroren, Pferde brauchen Futter, das zusätzlich transportiert werden muss. Mit neuartigen und modernen Motorschlitten hat er keine Erfahrung. Amundsen vertraut den traditionellen Überlebenskünsten der arktischen Urvölker.

Motorschlitten
Scott schwört auf Technik und nimmt Motorschlitten mit, obwohl er diese Technik ebenso wenig kennt wie den Umgang mit Hunden oder Skiern. Er testet die neuartigen Fahrzeuge kaum und nur in England unter nicht vergleichbaren Bedingungen. Kaum in der Antarktis angekommen, fallen alle Motorschlitten aus.
Amundsen ist verunsichert, denn wenn die Motorschlitten funktionieren würden, wären sie uneinholbar schneller als seine Männer auf Skiern.

Transport von Ausrüstung
Scott hat theoretisch durch seine gemischte Transportstrategie einige Vorteile, allerdings kommt er mit Schlittenhunden nicht klar, die Pferde sind zu schwach und die Motorschlitten funktionieren nicht.
Seine Leute ziehen selber die Schlitten mit der kompletten Last der Ausrüstung und Verpflegung. Dabei verbrauchen sie mehr Zeit und erheblich mehr Kraft und Kalorien, nehmen aber nicht mehr Nahrungsmittel mit. Ein verhängnisvoller Fehler.
Amundsen lässt die gesamte Ausrüstung von Schlittenhunde ziehen. Die Männer folgen auf Skiern, müssen nur ihr eigenes Gewicht tragen, sind beweglich und kraftsparend.

Lebensmittel
Scott transportiert alles aus England, einschließlich Sekt und Kaviar für die Sponsoren an Bord. Er stellt die Ernährung erst während des Marsches um.
Amundsen errechnet genau den Kalorienverbrauch und rechnet Reserven ein. Sie jagen 200 Robben und haben hervorragendes und hochgesundes Fleisch. Frühzeitig stellt er auf einfache, aber gezielte Ernährung um, angepasst an die extreme antarktische Kälte, beugt Skorbut vor.

Überfahrt
Scott
Amundsen

Basislager
Scott schlägt sein Lager in der Ross-Insel auf (Victoria Land) – die bekannteste und erforschte Region an der Eisbarriere des Rossmeeres.
Amundsen hat die Hütte in Norwegen in seinem Garten vorgebaut und ausprobiert, Teil für Teil demontiert und genauso in der Antarktis wieder aufgestellt.
Wegen der brisanten Situation mit der Unabhängigkeit Norwegens und dem britischen Anspruch bestimmter antarktischer Gebiete, schlägt Amundsen sein Lager „Framheim“ in der wenig bekannten „Bucht der Wale“ auf (King Edward III-Land). Alles andere käme fast einer „Kriegserklärung“ gleich. Der Weg zum Südpol ist allerdings auch ein wenig kürzer von dort aus…

Lagerleben
Scott und seine Männer leben auf der einen Seite in Saus und Braus und unter strenger militärischer Hierarchie, allerdings auch gelangweilt und reizarm.
Amundsen und seine Männer leben schlicht und einfach, aber gut organisiert und demokratisch – Amundsen beschreibt das Lager selbst als „seine kleine Republik im Eis“.

Alltagsleben
Scott und seine Männer vertreiben sich die zeit des Wartens mit Fußball spielen und die Aufführung von Theaterstücken.
Amundsen hat Männer unterschiedlichster Fähigkeiten und Talente dabei. In der Vorbereitungszeit werden Kleidung verbessert, Schlitten umgebaut um Gewicht zu sparen, Depotbehälter an den Nähten zusätzlich dicht gelötet usw.

Weihnachten
Scott
Amundsen

Der Tod anderer
Scott
Amundsen fühlt sich verantwortlich. Selbst der Tod von seinem Kontrahenten Scott oder seinem Widersacher Johansen oder den verschollenen Nobile nehmen ihn schwer mit.
Scott - weil er hätte Brennstoff und Lebensmittel auf seinem eigenen Rückweg für Scott hätte zurücklassen können,
Johansen - weil er den Alkoholiker ausgrenzt und dieser Selbstmord begeht,
Nobile – zwar ein arrogantes Arschloch, einst Freund und Mitstreiter, die sich im Streit trennen – weil er sich nach Versöhnung sehnt (und beim Rettungsversuch dabei selber ums Leben kam)

Der eigene Tod
Scott
Amundsen

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